moor & moor
Bettgeflüster aus dem Bregenzer Wald
Diese Brüder mischen mittlerweile recht kräftig den heimischen Designzirkus um. Mit der Holzsäge in der einen Hand und einer gehörigen Prise Provokation in der anderen backen Andreas (der Architekt), Richard (der Tischler) und Johannes (der Polsterer) Moor himmlische Betten, formal streng abgepasste und doch kuschelweiche Filzpolster-Landschaften oder Stauraummöbel mit gar einprägsamen Modellbezeichungen, die samt optischem Erscheinungsbild offenbar den richtigen Geschmacksnerv treffen.
Punktgenau. moor & moor heißt das Label der umtriebigen Vorarlberger Gebrüder, denen so manche Einrichtungskonventionen direkt am Gesäß vorbeilaufen. Mittlerweile erwarben sich die cleveren Jungunternehmer aus dem Bregenzer Wald aufgrund eigenwilliger Messeauftritte und Produkte einen hohen Bekanntheitsgrad. Das Prinzip ihrer Wohnmöbeln lautet: Mühelos mit der Post zu verschicken, schnell auspacken, einfach aufstellen und manchmal sogar den letzten Schliff selbst geben.
Wer will dann nicht sofort auf „Maria Magdalena“ springen? Ein Himmel von Bett, das im Do-it-yourself-Bausatz mit reichlich Zubehör von Pölstern, unterschiedlichen Steckhilfen, Bettleuchten und Boxen edel aufgemotzt werden darf. Einprägsam nicht nur der Name, wenn es der urbane Nomade vorzieht, auf der Euro-Palette sein Nickerchen zu gestalten: „Frontdoorfuck“, die Designer-Matratzenschlafstatt (100% Schafschurwolle, Hanffaser, Baumwolle, Elastokern) mit der genormten Basis für Träumereien jenseits der Norm. Passend dazu: Der rollende Ladenschrank „Dirk Diggler“ aus ein, zwo oder gleich vier Paletten mit je zwei Schubladen und einer Abdeckung aus ESG-Glas. In all ihren Entwürfen streben die Mohr-Brothers allerdings nach einem Leitgedanken, der ihrem Schaffen zugrunde liegt: Nachhaltigkeit.
Wie alles begann: Die Geburt von moor & moor wurde, so Andreas Mohr, 1999 beiläufig nebst einer Tankstelle vollzogen, als aus einer „progressiven Unzufriedenheit“ heraus die Idee zur Gründung dieses Labels entstand. Dass die Weltwirtschaft emotionslose Möbel ohne Rücksicht auf Natur, Ökologie und den Menschen irgendwo in China fliesbandgerecht fertigen lässt, ist den Mohrs ein Dorn im Aug. „Ich will den Baum kennen, aus dem ich das Bett fertige. Ich will den direkten Bezug zu den Handwerkern und Produzenten haben, bei denen ich auch vorbeikomme, um uns gegenseitig kleine schmutzige Witze zu erzählen“, meint Andreas M. „Möbeln sind Emotion, und die beginnt bereits, wenn Menschen wie wir zusammenkommen.“
Christian S. Sikora
der katalog 2005/2006
Produkte von moor&moor im möbel
