mocca
Möbel-Erfahrung
Erich Gaffal und Stefan Bartel sind Mocca. In ihrem Linzer Studio tüfteln sie an Möbelgestaltung, Produkt- und Grafikdesign. Welcher Teil im Hirn auch immer für das Gefühlsressort Gemütlichkeit zuständig ist, genau ihn wollen die Möbelmacher von Mocca erreichen.
Auf den ersten Blick mag dies vielleicht nicht gelingen, da muss man sich schon ein wenig ins Mocca-Zeug hauen: sitzen, fühlen, wirken lassen und nochmals schauen. Man sollte den beiden Gestaltern den Gefallen tun, denn die Reduziertheit ihrer Entwürfe entpuppt sich so zu einer Art optischer Täuschung. Und das ist gut so, zu verwandt erscheint dem Duo aus Oberösterreich der Begriff Reduziertheit mit jenem der Langeweile. Lebendig sollen sie sein, ihre ganz eigene Formensprache sollen sie sprechen, weitab vom Kauderwelsch des immer redundanter werdenden Möbelmarktes.
In Sachen Gemütlichkeit haben es Gaffal und Bartel mit dem Großmeister Adolf Loos. Auch bei ihm hört sich diese mit der übermäßigen Verwendung von Verzierungen auf. Frei nach Mocca: Einfachheit währt am längsten, vor allem wenn sie auf den zweiten Blick Reiz und Spannung im Detail verspricht – und hält.
Ob es sich um den geflügelten Schliff des Wandbords Wing, die gebogenen Beschläge des Schranks Loft oder die formvollendeten T-Profile der Tischkonstruktion Freeway handelt, das Markenzeichen von Mocca, ihr Code, der rote Faden oder wie man es auch immer nennen will, liegt im Detail. Dieses fungiert als eine Art Verpackung ihrer Objekte. Als Idee mag das Detail im Vordergrund stehen. Dann, im Objekt umgesetzt, wirkt es nicht als Akteur sondern Regisseur. Stefan Bartel, der an der Kunst-Universität Linz eine Ausbildung in visuelle Gestaltung absolvierte schreibt den Entwürfen „starken Charakter” zu, die das Zeug zur Skulptur in sich tragen und so auch keine schlechte Figur machen, wenn sie völlig frei stehen.
Kein formal benachteiligtes Hinter- oder sonstiges Teil soll den Stücken diesen Anspruch streitig machen. Fast im Biedermeierschen Sinn mutet in diesem Zusammenhang Bartels Idee an, Wohnungen mit kleinen skulpturalen Inseln zu bestücken. „Möbel sollen“, so Bartel, „erfahren werden“, und fast sentimental wird der gelernte Tischler Erich Gaffal, wenn er meint, dass „Menschen Sehnsucht danach haben, Beziehungen zu pflegen, auch zu Dingen im privaten Umfeld. Das heißt, lange Zeit mit einem Möbel zu leben, es zu reparieren, wenn es Schaden erleidet, es in Würde altern zu sehen.“
Das Konzept von Mocca, die auch umfangreiche Dienste als Innenarchitekten anbieten liegt in der mitunter langwierigen Kommunikation. Worüber nicht mehr diskutiert werden muss, ist Ressourcen-schonende Produktion. In diesem Punkt ist sich das Duo lang vor der Entwicklung eines neuen Objekts, also dem Austüfteln gefinkelter und spannender Details einig.
Michael Hausenblas
der katalog 2005/2006
