feine dinge
Die Fein-Sinnige
Sandra Haischberger ist in vielerlei Hinsicht eine außergewöhnliche Frau. Nicht nur das betrachtet, was die junge Designerin auf die Beine gestellt hat. Sondern auch, wie es dazu kam. Es war schon in ihren anfänglichen Berufsjahren als Pädagogin, als sie merkte, dass sie das, was sie tat, gar nicht tun wollte. Dachte es und brach die Zelte in ihrer niederösterreichischen Heimat ab, um in Wien ein neues Kapitel aufzuschlagen. Dass sie in der Meisterklasse für Produktgestaltung Keramik landete, verdankt sie eigentlich einer Freundin, die sie zur Aufnahmsprüfung mitnahm.
Es waren interessante, intensive Jahre an der Universität für Angewandte Kunst, und bald machte sich der Wunsch nach Luftveränderung breit. Die Studentin legte eine „künstlerische“ Pause ein und stillte ihr schon länger gehegtes Verlangen, nach London zu gehen und dort zu studieren. In diesem Jahr bereicherte sie ihr Wissen in Sachen Interior- and Furnituredesign und kehrte mit einer Menge wertvoller Erfahrungen nach Wien zurück, um ihr Diplom bei Enzo Mari zu machen. Mit der Ausstellung der Diplomarbeiten begann ein ganz neuer Weg, denn ihr Masterpiece – ein Waschbecken - wurde entdeckt und gleich beim Meinl am Graben platziert – aus der Suchenden wurde die Gefundene.
Für Sandra Haischberger gibt es einige wenige Dinge, die sie zu ihren Prinzipien macht, und die sie auch für viel Geld nicht aufgeben würde. Die Hauptrolle spielt die gute Mischung aus Kunsthandwerk und Tradition, die sie sich für ihre Gestaltung zurechtlegt und in ihre Designsprache übersetzt. Den Charakter der Manufaktur würde sie niemals eintauschen wollen gegen serielle Massenproduktion, denn ihre Produkte sollen verwendet werden und keine Museumsstücke bleiben. Diese Qualität, insbesondere das Leben, das sie ihren „Feinen Dingen“ einhaucht, bieten zu können, ist für die Designerin das Bedeutendste an ihrer Arbeit. Man könnte auch sagen, dass es die Wahrheit über das von ihr Geschaffene ist.
Die Faszination formbarer Materie, die sie schon als Kind empfand, als sie mit ihrer Großmutter noch Pilze aus Ton formte, ist bis heute geblieben: Porzellan ist so vielfältig wie es schwierig ist, es zu bearbeiten. Und genau darin sieht sie ihre Herausforderung: nämlich dem Material alle Facetten zu entlocken, die es zu bieten hat. Zum Beispiel das Perforieren als ideale Technik, Licht und Porzellan miteinander zu verbinden. Oder es transluzent zu machen. Experimentieren und Ausprobieren sind ohnehin ihre großen Leidenschaften. Der Augenblick, in dem sie dann ihren Ofen öffnet und die einzelnen Stücke in der Hand hält, ist der für sie wohl spannendste des ganzen Arbeitsprozesses. Die Arbeit hat sich gelohnt, es ist vollbracht. Fein!
Barbara Jahn
der katalog 2006/2007
Produkte von feinedinge* bei das möbel
