lobmeyr
Zwischen Vergangenheit und Zukunft
Der Name Lobmeyr, eng verbunden mit dem Begriff des österreichischen Designs, steht für die feurige Passion zum Werkstoff Glas. Diese Leidenschaft impliziert natürlich die Neugier und auch eine Art Besessenheit darauf, was man aus einer transparenten, formbaren Masse alles machen kann. Leonid Rath, der mit seinen Cousins das österreichische Traditionsunternehmen erfolgreich in das dritte Jahrtausend führt, spricht von einer Vielfalt auf einem sehr hohen Qualitätsniveau, das die Klientel dem Unternehmen sozusagen „gestattet“ – in den letzten Jahren sogar noch verstärkt, denn die Sensibilität für Handwerk und Qualität ist gestiegen.
Kein Wunder, denn Antiquitäten sind bereits Raritäten, und die Nachfrage nach Feinem ist ungebrochen stark. Die sechste Lobmeyr-Generation beschäftigt sich nun damit, einerseits die Vergangenheit gründlich aufzuarbeiten – die Entwürfe der letzten 180 Jahre mit deren einzigartigen Hintergrundgeschichten der Designer aus der eigenen Familie und natürlich von Theophil Hansen, Josef Hoffmann, Adolf Loos und vieler anderer -, andererseits aber ganz stark nach vorne zu blicken und sich mit der jungen – hauptsächlich österreichischen – Designszene auseinanderzusetzen, die sich nach Ansicht Leonid Raths in den letzten Jahren sehr gut entwickelt hat und großes Potenzial in sich birgt.
Schon sein Vater suchte den Kontakt zu den „Jungen“ und veranstaltete Workshops an der Wiener Angewandten und diverse Wettbewerbe.
Vorrangig für die Zusammenarbeit mit Lobmeyr ist, dass sich der Designer voll und ganz auf das Material einlässt. Glas ist in jeder Hinsicht ein sensibles Material, bei dem vieles, aber nicht alles möglich ist – dieses Vokabular müssen sich die Designer verinnerlichen, wenn sie diese besondere Herausforderung annehmen wollen. Die Übergänge zwischen Alt und Neu, was das Sortiment betrifft, lassen sich relativ leicht bewältigen - eine gewisse Serientauglichkeit ist erwünscht. Der „Lobmeyr-Spirit“ – wie Leonid Rath ihn nennt – muss spürbar sein und bleiben. Darin liegt auch seine Interpretation des Begriffes „Qualität“ verankert: Man kann sich mit Gegenständen umgeben, die eben nicht langweilig werden, die Umgebung positiv beeinflussen und nachhaltig wirken. In der Lobmeyrschen Vielfältigkeit der Glaskunst gibt es das gewisse „Etwas“, das alles zu verbinden versteht.
Barbara Jahn, freie Journalistin
der katalog 2006/2007
