werkraum bregenzerwald
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Die Initiative „Werkraum Bregenzerwald“ schafft eine stille, aber sehr deutliche Formensprache, die weit über die Grenzen Vorarlbergs hinaus hörbar ist.
Tradition kann muffeln. Der Begriff wird gern gleichgesetzt mit Dirndl, Jodeln und der ganzen Denke dahinter. Tradition kann aber auch frisch daherkommen, Neues aus dem Guten des Alten wachsen lassen. Zum Beispiel im Werkraum Bregenzerwald. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von circa 80 Tischlern, Ofenbauern, jungen Designern, Teppicherzeugern und anderen Handwerksbetrieben. Vom Bregenzerwald aus schaffen sie es, der Globalisierung, der Massenproduktion und den Möbelhausriesen ein wohlgestaltetes Schnippchen zu schlagen, indem sie sich untereinander stärken, Synergien nutzen, selbständig bleiben und dabei die Zeichen der Zeit deuten, ohne sich von ihnen abzukehren. Und was noch viel schöner ist: Der Werkraum kreiert eine ganz wunderbare, eigene Formensprache, die auf sehr vorsichtige Weise mit dem Vokabular gestalterischer Tradition umgeht.
Die Entwürfe der Bregenzerwälder Gestalter stecken keineswegs in einer starren Tracht, der Umgang mit Tradition entspricht einem wohl durchdachten, auch emotionalen Zugang zu Dingen, die hier gewachsen sind. Die Werkräumler denken diese weiter, lassen sie, gepaart mit der nötigen Offenheit, ihren Weg nach außen antreten. Weitere Kriterien sind Leistbarkeit und das in Sachen Design „am fruchtbaren Boden bleiben“.
So sehr man dazu neigt, das, was einem kleinen Tal entspringt, in einer einzigen Schublade verschwinden zu lassen, so sehr straft einen die Vielfalt der Objekte, die dem Werkraum entspringen, Lügen. Man betrachte die Objekte aus der Designschmiede „schmidinger.modul“, die es unter anderem bis ins Massachusetts Institute of Technology brachten, man schaue sich den Zugang des Industrie-Designers Robert Rüf an , der seine Objekte guten Gewissens auf die Möbellaufstege in Mailand oder London schicken kann, oder man studiere die reduzierten Polsterfestspiele eines Johannes Mohr. Die Reihe wäre leichtfüßig fortzusetzen, die Linie, die sie beschreibt ergibt die flexiblen Konturen des Werkraums Bregenzerwald. Müsste man ein Conclusio ziehen aus dieser Geschichte, der zum Beispiel der bedeutende deutsche Möbelverleger Nils Holger Moormann eine große Zukunft voraussagt, könnte diese lauten: Gleichgewicht, Verständnis, die Fähigkeit den Ursprung zu deuten und mit innovativen Ideen in die Welt zu ziehen, ohne von zu Hause weg zu müssen.
Michael Hausenblas ist Redakteur beim STANDARD
der katalog 2006/2007
